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KOGNITIVES-DYSFUNKTIONS-SYNDROM (Alters-Demenz)

WAS IST DEMENZ?
Demenz leitet sich von dem lateinischen Wort dementia ab und bedeutet wörtlich „ohne Verstand“.


Die Demenz ist beim Menschen ein Gebiet das bis jetzt nicht zu 100% erforscht ist, beim Hund noch weniger. Demenz gehört mittlerweile zu unserer Gesellschaft dazu und um zu erklären was Demenz ist greifen wir auf die Humanmedizin zurück.

Der Begriff Demenz bezeichnet eine ganze Gruppe von Krankheitsbildern bei denen wichtige Gehirnfunktionen wie Gedächtnis, Orientierung, Auffassung, Urteilsvermögen und Lernfähigkeit nach und nach unwiderruflich verloren gehen. Beim Menschen ist die häufigste Erkrankung diesbezüglich Alzheimer.

„Ich habe die Demenz als Schatten empfunden, der uns verfolgt. Man konnte ihr nicht entfliehen, er war unaufhaltsam. Man kann nur lernen zu akzeptieren und das Beste aus der letzten Zeit machen. Mut gehört auf jeden Fall dazu.“  (Kommentar aus unserer Umfrage)

Ebenfalls kann eine gestörte Durchblutung der Blutgefäße im Gehirn oder mehrere kleine Hirnschläge letztlich zu dem beschriebenen Krankheitsbild führen. Dies nennt man vaskuläre (lateinisch für gefäßbedingte) Demenz. Ob Nervenzellen absterben oder Durchblutungsstörungen Schäden anrichten – die sichtbaren Symptome unterscheiden sich bei den verschiedenen Formen von Demenz wenig. Nur die Geschwindigkeit, mit welcher der kognitive Verfall fortschreitet, fällt unterschiedlich aus.

SYMPTOME
 

Es gibt verschiedene Symptome bei Demenz. Einige kann man als primäre Symptome bezeichnen, da diese bei fast allen Hunden mit Demenz auftritt. Dazu zählen Unruhe, Verwirrtheit, Stereotypien, Unsicherheit und der sogenannte Wandertrieb. Sehr oft fließen diese Symptome ineinander, trotzdem möchten wir versuchen die einzelnen Symptome näher zu beleuchten.

 

UNRUHE
Eines der (unter anderem) häufigsten auftretenden Symptome ist die innere Unruhe beim dementen Hund. Jeder Hundebesitzer kennt seinen Hund und wird sofort erkennen ob sein Hund unruhig ist oder nicht. Gerade demente Hunde zeigen oft ohne ersichtlichen Grund phasenweise eine gewisse Unruhe die sich mit planlosem hin- und herlaufen zeigt. Oft kommen Stressanzeichen wie hecheln dazu. Viele beobachtete Verhaltensweisen treten einzeln oder vermischt auf.

 

Beispiele:

  • Hund schläft entspannt am Platz, springt plötzlich auf und wandert hin und her.

  • Hund findet keinen Platz zum liegen (hinlegen - aufstehen - wandern, usw.)

  • Hund zeigt Stress mittels hecheln


Die unruhige Phase kann von einigen Sekunden bis einigen Stunden anhalten. Meistens wird diese Phase auch von Verwirrtheit begleitet.

Jeder Hund mit Demenz zeigt, mehr oder weniger ausgeprägt, dieses Symptom.


VERWIRRTHEIT
Wie die Unruhe hat auch die häufig auftretende Verwirrtheit unterschiedliche Gesichter.

Sehr häufig wird beschrieben, dass der Hund für einige Sekunden bis zu einigen Minuten ins Leere schaut um dann plötzlich und sehr erstaunt wieder in „unserer Welt“ anzukommen. Meistens verhält sich der Hund nach so einer Phase so als ob nichts gewesen wäre. Demente Menschen beschreiben Halluzinationen, ob dies auch auf Hunde zutrifft, wissen wir leider nicht, können es uns aber sehr gut vorstellen, da „plötzlich vor nichts erschrecken“ ebenfalls häufig beobachtet wird.

Sehr häufig beschriebene Verhaltensweisen sind:

  • ... starrt die Wand an

  • ... findet aus der Ecke nicht heraus

  • ... bringt sich in missliche Lagen


Unsere Umfrage hat leider ergeben, dass nur 3 Prozent der Hunde keine Symptome der Verwirrtheit zeigen.


WANDERTRIEB (Nachtwandern)
Wandertrieb oder (Nacht)Unruhe bezeichnet den Drang des Hundes zur ziellosen Tätigkeit und könnte auch bei den Stereotypien eingereiht werden. Unsere Umfrage zeigt, dass der Prozentsatz der am Tag wandernden und die Hunde die nachtwandern sehr ausgewogen ist. Den Wandertrieb an sich zeigt prinzipiell ein sehr hoher Prozentsatz der dementen Hunden. Unterschiedlich ist die Dauer des Wanderns, denn dieses wird von einigen Minuten bis Stunden beschrieben. Bei extrem stark ausgeprägtem Nachtwandern kann man die Umkehr des Tag-Nacht- Rhythmus erkennen.

Auch hier ist es sehr schwer den Hund aus diesem Verhalten herauszuholen, da dieses Wandern wie ein Zwang zu sein scheint.



STEREOTYPIEN
Stereotypes Verhalten ist die Bezeichnung für Bewegungsabläufe und Lautäußerungen, die regelmäßig, wiederholt und gleichbleibend auftreten.

Ein großer Teil der Hunde entwickelt eine Wander-Stereotypie (die wir weiter oben beschrieben haben), das vermehrte schlecken an Pfoten oder Gegenständen und/oder häufiges unkontrolliertes Bellen. Auch hier ist es von Hund zu Hund unterschiedlich wie stark diese Symptome ausgeprägt ist.


UNSICHERHEIT
Ebenfalls ein großes Thema bei dementen Hunden ist die plötzliche Unsicherheit vor bekannten Situationen und Geräuschen und das nicht mehr alleine bleiben können.

 

Es kann vorkommen, dass der demente Hund plötzlich vor ihm bekannten Menschen kurzfristig Angst hat oder auf ihm bekannten Wegen sehr unsicher wird.


ANHÄNGLICHKEIT

Ob die vermehrte Anhänglichkeit bei Hunden mit Demenz etwas mit der Unsicherheit zu tun hat, kann man pauschal nicht mit „ja“ beantworten. Mehr als die Hälfte der befragten Hundehalter gibt an, dass der Hund auch im Wohnbereich hinterherläuft/hinterherlief und/oder untertags engen Körperkontakt sucht/e.



VERGESSLICHKEIT
Bei diesem Symptom erwecken die Hunde den Anschein vergessen zu haben, was sie gerade tun wollten. Sie unterbrechen verwirrt eine Tätigkeit, erscheinen nachdenklich um mit der nächsten Tätigkeit zu  beginnen. Der Hund vergisst, dass er gerade Wasser getrunken hat und/oder kann mit der Wasserschüssel kurzzeitig nichts anfangen. Der Wohnbereich erscheint wie ein unbekanntes Labyrinth und/oder bekannte Spazierwege werden nicht mehr erkannt. Kommandos werden ebenfalls sehr oft vergessen.

 

Erkrankte Hunde verlieren phasenweise oder auch dauerhaft ihre Stubenreinheit (nicht zu verwechseln mit Inkontinenz, wo der Hund Urin und/oder Kot nicht halten kann) da sie es einfach „vergessen“ haben.  Das Vergessen der intensiven Bezugspersonen wird selten beobachten, bekannte Personen oder Tiere werden von den Hunden kurzzeitig nicht erkannt.

Auch hier haben wir wieder viele verschiedene Gesichter dieses Symptoms.



WIE KANN ICH MEINEN DEMENTEN HUND UNTERSTÜTZEN?
Für viele Hundebesitzer ist das veränderte Verhalten ihres Hundes rätselhaft, erschreckend und es kann sehr anstrengend werden.

Sehr wichtig bei einem Hund der an Demenz erkrankt ist, ist so wenig Veränderung wie möglich. Ein gleichbleibender Tagesrhythmus (feste Futter- und Spaziergehzeiten) wirkt sich in den meisten Fällen sehr positiv auf den Hund aus. Bei stark unsicheren Hunden empfiehlt es sich diese beim Spaziergang an der Leine zu führen. Die Verbindung zum Halter gibt dem Hund die nötige Sicherheit.

Leider gibt es kein Patentrezept, da diese Erkrankung leider unaufhaltsam ist und jeder Hund auf gewisse Hilfestellungen anders reagiert.

Hier eine kleine Auflistung wie man den dementen Hund unterstützen kann:

  • Rituale

  • Gedächtnistraining

  • Nasenarbeit (z.B. Leckerli suchen)

  • Bewegungsübungen (z.B. über am Boden liegende Stangen steigen)

  • spezielle Kräuterkissen

  • beruhigende Gerüche

  • orthopädische Hundebetten

  • Nachtlicht

  • im Bett schlafen lassen

  • mehrere Hundebetten anbieten

  • Alternativmedizin

 

Wie man seinen Hund unterstützt, muss jeder Hundebesitzer individuell entscheiden, denn niemand kennt seinen Hund besser als der Hundehalter selbst. Leider kommt es oft vor, dass trotz Unterstützung Hunde nicht aus ihrer „Phase der extremen Verwirrtheit“ herauszuholen sind.

 

Viele Fragen tauchen auf: „Warum rennt mein Hund jetzt ewig hin und her, kann er sich nicht endlich hinlegen?“ bei wandernden Hunden. „Warum schläft er/sie nicht endlich?“ bei Hunden mit Nachtwandertrieb. „Was macht er dort minutenlang in der Ecke?“ bei Hunden in einer Phase der Verwirrtheit oder „Hat er Schmerzen, ist er krank? Was ist passiert?“ bei Hunden die plötzlich sehr unruhig und gestresst sind. Zum Schluss die große Frage, wie man dem Hund helfen kann. Da es leider kein Patentrezept gibt muss man als Hundebesitzer verschiedene Dinge ausprobieren. Es empfiehlt sich ein Beratungsgespräch beim Tierarzt und auch der zusätzliche Austausch unter betroffenen Hundehaltern.

 

Als Hundebesitzer muss man lernen diese unaufhaltsame Erkrankung zu akzeptieren, da man diese weder aufhalten noch heilen kann.
 

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